SHERCO SEF 300 FACTORY 2019: Feinste Ausstattung für TOP-Ergebnisse. Das bedeutet rennfertig ohne Modifikation – eine absolute Besonderheit!

Durch die Factory-Linie 2019 hat Sherco eine Modellreihe geschaffen, die es in sich hat. Hier kommen nicht nur ein optisch ansprechendes Dekor oder Werbe-Sticker sowie farblich angepasste Felgen für ein besonderes Erscheinungsbild zum Einsatz – im Gegenteil. Die Franzosen haben erkannt, worauf es wirklich ankommt und erstmals in der Geschichte von Sportenduros bzw. in den letzten 15 Jahren der Sportenduro-Entwicklung ein Paket geschnürt, das sofort und ohne Umschweife und ohne die sonst üblichen Modifikationen im ambitionierten Sporteinsatz auf hohem Level eingesetzt werden kann.


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TECHNISCHE DATEN

LEISTUNGS- & DREHMOMENTDIAGRAMME

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BESONDERHEITEN des FACTORY-MODELLS

FAZIT

PLUS-MINUS-BEWERTUNG

WEITERE IMPRESSIONEN


 

Factory-Sonderausstattung: Selle-Dalla-Valle Grip-Sitzbankbezug, Kayaba-Gabel und -Federbein mit Technical-Touch-Abstimmung, geschlossene Galfer-Wave-Bremsscheibe vorn und hinten sowie ein neuer Neken-Lenker mit großem Polster. Das Factory-Dekor gehört natürlich schon rein obligatorisch dazu und die blau beschichteten Excel-Felgen mit Sticker-Kit machen sich optisch genau so gut wie das blau beschichtete Stahl-Kettenrad mit Alu-Kranz. Neben dem Kayaba-Fahrwerk ist die komplette Akrapovic-Auspuffanlage aus Titan das unbestrittene Highlight , die nicht nur das Startgewicht reduziert, sondern bekanntlich auch einige Pferde mehr aus dem Motor herausholt. Dazu kommen Zwei-Komponenten Gummigriffe, der endurogerechte Elektrolüfter sowie der bei allen Viertakt-Modellen vorhandene Kühlwasser-Expansionsbehälter hinter der linken seitlichen Startnummerntafel. Der bekannt robuste AXP-Motorschutz ist natürlich mit von der Partie, was ebenso für eine leichte und schwerpunktgünstig positionierte Shido-Lithium-Ionen-Batterie samt neuem Halter gilt.

Allein die Auflistung der Sonderausstattung spiegelt die standardmäßige To-Do-Liste eines ambitionierten Sportfahrers bei der individuellen Anpassung einer Standard-Sportenduro wider und übertrifft diese dabei um Längen, betrachtet man die Produktauswahl sowie deren Qualität und bekannte Performance.

Nicht ohne Grund hat man damit die Enduro-Weltmeisterschaft in der E2-Klasse gegen die hubraumstärkere Konkurrenz mit 350 und 450 Kubikzentimetern über Jahre hinweg dominiert. Hierzu fallen legendäre Namen wie das Urgestein im EnduroGP-Rennzirkus Fabrizio Azzalin mit seinem italienischen Team CH-Racing und 26 Weltmeistertiteln im Gepäck, der Multi-Weltmeister Mathew Philips aus Australien, das Nachwuchstalent Jack Edmondson aus England, Lorenzo Santolino aus Spanien, Kevin Olsen aus Schweden oder schillernde Persönlichkeiten wie Jessica Gardiner aus Australien oder Matti Seistola aus Finnland.

Alle diese Fahrer konnten das Potenzial der 300er Viertakt-Sherco voll ausschöpfen und für unzählige Erfolge für den französischen Hersteller sorgen. Das ist ein weiterer Beweis, dass das Konzept der 300 Kubikzentimeter mit vier Takten eine stimmige Lösung für den klassischen Endurosport auf höchstem Niveau darstellt.

Diese Tatsache wird durch die Factory-Edition 2019 nochmals klar unterstrichen. Und man darf schon jetzt behaupten, dass dieses Zusammenspiel aus Zubehör und Modifikationen mit dem 300er Herzstück aus der Sicht eines Sportfahrers nicht homogener sein könnte. Lässt sich daraus folgern, dass der Hobby-Pilot damit überfordert sein wird? Dazu später mehr.

TECHNISCHE DATEN

Technische Daten Sherco SEF 300 Factory 2019 OC

 

Nochmals zum Mitschreiben: Michelin, Excel, Brembo, Neken, Akrapovic, Selle-Dalla-Valle, Shido, ZR, Afam, Galfer, Polisport, TwinAir und AXP – mehr gefällig? Nicht nur mit dieser nochmaligen Auflistung aller Namen wird klar, dass es sich hierbei nicht um eine optisch aufgepeppte 300er Sherco handelt, sondern feinste Komponenten zum Einsatz kommen, die auch in der Enduro-Weltmeisterschaft ihren Dienst tun. Sind daher satte 10.795 Euro gerechtfertigt oder schlichtweg überzogen?

11.067/min stehen an. Noch ein paar Umdrehungen bis zum Drehzahlbegrenzer, doch bei dieser hohen Drehzahl bringt der 300er Motor reine Leistung zu 100 Prozent und präsentiert seine 40 PS in vollem Umfang. Drehzahlbegrenzer erreicht und schon fliegt der nächste Gang dank kurzer Schaltwege und einer präzise arbeitender Schaltgabel samt -Walze in den Nutzer-Modus und sorgt für zunehmend hohes Tempo. Nur durch den Drehzahlbegrenzer erfährt man eine kurze Verzögerung, bis der nächste Gang in sportlicher Manier zum Zuge kommt. Sportliche Manier bedeutet, dass der Gasgriff voll auf Anschlag bleibt und zum Gangwechsel nur die Kupplung kurz gezogen wird. Dadurch reduziert sich der Tempoverlust bei konstanter Beschleunigung, was auch die Fahrstabilität unter Zug aufrecht erhält.

Plötzlich krallen sich die Brembo-Bremsen mit maximaler Verzögerung in die geschlossenen Galfer-Bremsscheiben, um dem beinahe übersehenen Absatz mit angemessener Geschwindigkeit zu begegnen. Mit immer noch zu hohem Tempo folgt der Sprung ins Flat bei Höchstdrehzahl, um den erwarteten Einschlag aus zweieinhalb Meter Höhe bei gut 70 km/h zumindest etwas abdämpfen zu können. Der ganze Körper ist maximal angespannt, um gegebenenfalls das Durchschlagen der Federelemente und die dadurch an den Fahrer weitergegebene Auftreffenergie der Landung abzufangen.

Doch nichts passiert! Der erwartete Einschlag bleibt aus, die Kayaba-Fahrwerkskomponenten stemmen diesen Sprung ohne Wenn und Aber und die Sherco macht im gleichen Stil weiter, als sei nichts gewesen. Nach dem Motto „War da was“ heißt es business as usual und der erste angepeilte tiefe Anlieger wird sicherlich den kleinen 300er Motor einbremsen. Doch auch hier überrascht die Sherco dank ihrem überzeugenden Drehmoment von 28,6 Newtonmetern bei 10.800/min, ohne dass die Drehzahl in den Keller muss.

Das sportlich straffe Fahrwerks-Setup hält die Sherco samt Fahrer in der Spur und die Traktion am Hinterrad überzeugt. Denn das angepeilte Tempo kann trotz tiefem Sand gehalten werden und die Beschleunigung aus dem Anlieger heraus begeistert, so dass sofort der Gedanke kommt: Hier geht definitiv mehr.

Zwischenfazit: Die Fahrwerks-Abstimmung passt und das Setup verträgt mehr. Ob das auch in Bezug auf das sensible Ansprechverhalten zutrifft? Bevor das geprüft wird, geht es nochmals im dritten Gang auf eine langgezogene Linkskurve, um die Fahrstabilität herauszufordern. Dabei wird ein Drift eingeleitet, der sich sehen lassen kann. Der Motor dreht wie der Teufel und das Vorderrad hält bombenfest. Dabei greift das Hinterrad gekonnt in den Boden und sorgt für konstanten Vortrieb, ohne dass die Traktion urplötzlich abreißt und das Heck seitlich ausbricht – mehr Kontrolle geht nicht.

Natürlich ist auch hier ein Grenzbereich vorhanden, der sich aber rechtzeitig ankündigt und daher bestens kalkulierbar bleibt. Die Traktion ist in dieser Fahrsituation teilweise so hoch, dass das Vorderrad unerwartet Höhenluft schnuppert. Doch der Grip-Sitzbezug sorgt für eine feste Sitzposition, so dass alle Hebeleien auch bei einem unerwarteten Wheely stets erreichbar sind um die 300er im Zaum zu halten.

Die bereits angesprochene Sensibilität des Fahrwerks gilt es nun zu prüfen. Hierfür geht es in welliges und anspruchsvolles Terrain mit Felsen und Geröll. Wie schon bekannt kann man bei der 300er zwischen zwei Mappings wählen. Die bereits getestete „scharfe“ Version hat sich bestens durch Drehvermögen und konstante Leistungsabgabe bei gleichzeitig ausgezeichneter Dosierbarkeit hervorgetan. Jetzt soll das zahmere Mapping seinen Dienst verrichten.

Der Luftdruck in den Reifen beträgt aus Sicherheitsgründen 1,1 bar, da hier zahlreiche scharfe Kanten und spitze Steine vorzufinden sind. Zunächst geht es im Wald eine 70 Meter lange Auffahrt hinauf, die von zahlreichen quer liegenden Bäumen, armdicken Ästen und den tiefen Spurrillen eines schweren Arbeitsgeräts gesäumt ist. Ohne mit der Wimper zu zucken kämpft sich die Sherco den Hang hinauf, klettert über jeden Baumstamm, Ast oder quält sich entlang den Spurrillen durch Lehm und feuchtes Erdreich nach oben. Damit dürfte die thermische Belastbarkeit im ersten Gang bei acht Grad Lufttemperatur bewiesen sein. Denn weder der Elektrolüfter schaltet sich zu, noch füllt sich der Kühlwasser-Ausgleichbehälter.

TECHNISCHE BESONDERHEITEN des FACTORY-MODELLS

SHERCO SEF 300 Factory 2019 - Technische Besonderheiten Factory Modell

 

Besonders begeistert die Elastizität des Motors, der nur sehr selten mit einem Plopp kurzfristig seinen Dienst bei niedrigsten Drehzahlen quittiert. In diesem Fall lässt er sich schnell und unkompliziert dank E-Starter wieder zum Leben erwecken. Oben angekommen, ist der Wald nach 20 Metern Geschichte und es geht im offenen Gelände bergab. Auch das beherrscht die Sherco ohne Aufsehen. Der Geradeauslauf gefällt ebenso wie das spielerische Handling. Sie folgt der angepeilten Linie wie auf Schienen, überwindet Felsplatten und Geröll und bleibt dabei stets bestens kontrollierbar. Die Brembo-Bremsanlage zeigt sich in ihrer Dosierbarkeit von der sensiblen Seite und sorgt für feine und effektive Verzögerung.

Da man die Abfahrt auch umfahren kann, geht es gleich nochmals zurück zum Ausgangspunkt, um alles nun mit mehr Tempo anzugehen. Dabei gefallen erneut die bereits angesprochenen Punkte. Zudem erweist sich das sportlich straffe Technical-Touch-Fahrwerks-Setup als überraschend sensibel und dämpft Steine und Bremswellen weg, so dass die Stöße bei diesem Tempo nur selten an den Fahrer weitergegeben werden. Dazu kann man nur sagen: Bei Kayaba in Belgien hat man die Hausaufgaben gemacht!

In umgekehrter Richtung mit Tempo springt die Sherco über einen Absatz am Hang hinauf und schiebt trotz nur 300 Kubikzentimetern Hubraum überzeugend kräftig nach oben, so dass keine Unterbrechung in der Aufwärtsfahrt notwendig wird. Was auffällt, sind die etwas höheren Bedienkräfte der Brembo-Kupplung im Vergleich zur Magura-Ausführung an der 350er Husqvarna, die man als direkte Konkurrentin sehen muss.

Die Agilität und das messerscharfe Handling der 300er Sherco begeistern nicht nur auf Grund ihrer Abstimmung, sondern auch wegen des vergleichsweise geringen Startgewichts von 116 Kilogramm. Sicherlich gibt es mittlerweile Sportenduros, die diese Angabe unterschreiten, doch dann sind es meist nur ein bis zwei Kilo und man muss ein paar Abstriche in der Ausstattung hinnehmen, worauf man bei Sherco aber größten Wert legt.

Wer sind die direkten Konkurrenten in dieser Hubraumklasse? Die TM EN 300 FI wäre sicherlich die interessanteste Kandidatin, da sie über den gleichen Hubraum verfügt, aber auf Grund ihres Seltenheitswerts wohl kaum zu bekommen ist. Ähnliches gilt für die Redmoto-Honda CRF300RX, die ab Werk mit ihrer überzeugenden Fahrwerks-Abstimmung stets den Sportfahrer angesprochen hat. Die KTM 350 EXC-F und Husqvarna FE 350 sind wohl die stärksten Gegner der Sherco, auch wenn beide über ein höhere Spitzenleistung verfügen, aber mit ihrer aktuellen weichen Fahrwerks-Abstimmung nicht mithalten können. Die Beta RR 350 hat mit ihren Pfunden zu kämpfen und ist nach wie vor eher im Hobby-Bereich anzusiedeln.

LEISTUNGS- und DREHMOMENTDIAGRAMME

Ist die Sherco somit das Optimum, so wie es für Mathew Philips in der Enduro-Weltmeisterschaft war und ihn mit Titeln verwöhnt hat? Aus der Sicht eines Sportfahrers mit Sieger-Ambitionen bis in die höchsten Klassen stellt das Gesamtpaket Sherco SEF 300 Factory 2019 sicherlich die beste Lösung der ab Werk käuflichen Sportenduros in dieser Hubraumklasse dar.

Zwar hat es in der Vergangenheit immer mal wieder kleinere Probleme mit der Benzinpumpe eines Zulieferers gegeben, was aber mittlerweile ausgemerzt ist und bis dato über das Servicenetz von 39 Händlern in Deutschland aus dem Weg geräumt wurde. Sind somit die 10.795 Euro Anschaffungspreis gerechtfertigt?

Natürlich muss man hier nicht nur die Preise der Bauteile in der Einzelbeschaffung im Nachgang berücksichtigen, sondern auch den Wiederverkaufswert nach einer Saison: Hier heißt es leider noch die Zähne zusammenbeißen, denn darunter leidet nicht nur der Sherco-Gebrauchtmarkt, sondern auch andere Sportenduros europäischer Motorrad-Hersteller, die auf Grund nicht idealer Vertriebswege, wie man es auch aus dem PKW-Segment kennt, einen schmerzlichen Wertverlust erfahren.

Betrachtet man die nicht mehr notwendigen Modifikationen im Vergleich zu einem Standard-Racing-Modell oder einer Sportenduro eines Mitbewerbers, so hat die Factory klar die Nase vorn und verdient zu Recht ein klares Ja für eine Kaufentscheidung.

FAZIT

Die Verarbeitungsqualität befindet sich auf Augenhöhe mit den ganz Großen der Branche und die Komponentenwahl der Bauteile ist im Vergleich dazu tadellos. Besonders sticht die Harmonie aller eingesetzten Produkte hervor, die die Sherco SER 300 Factory zu einer Besonderheit macht. Es sind keinerlei Schwächen zu finden – im Gegenteil. Man spürt förmlich das hervorragende Zusammenspiel aller Komponenten, die die 300er zu einem echten Angstgegner auch für größere Hubräume erhebt, wie man in der Vergangenheit eindrucksvoll beweisen konnte.

Außerdem hat man mit dem Kayaba-Fahrwerk einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht und die Lücke für den Sportfahrer geschlossen, die nicht wenige Hersteller nach wie vor unberücksichtigt lassen. Klar ist, wer mit seinem Fahrstil und dem Körpergewicht deutlich über dem Standard liegt, wird auch hier etwas nacharbeiten müssen. Doch für uns war die Sherco einfach perfekt und bot noch genug Reserven für mehr. Hinsichtlich ihrer Agilität und der damit verbundenen Leichtigkeit im Einsatz wäre sie wohl meine persönliche erste Wahl bei der nächsten imaginären Kaufentscheidung.

Doch festzuhalten gilt, dass sie zwar dank ihres bestens dosierbaren Motors für jedermann eine absolute Empfehlung wert ist, doch für den Hobbyfahrer ist das Fahrwerks-Setup im Fall der Factory zu sportlich abgestimmt. Hier empfiehlt es sich dann, auf das Racing-Modell mit WP-Fahrwerks-Komponenten zurückzugreifen. Natürlich gibt es auch bei dieser Sherco den einen oder anderen zu tadelnden Punkt, den es zu verbessern gilt – wie übrigens auch bei allen anderen Mitbewerbern.


MINUSPLUSBEWERTUNG SHERCO SEF 300 FACTORY 2019

PLUS
• Perfekt dosierbare Motorleistung
• Breites nutzbares Drehzahlband
• Hervorragende Fahrzeugbalance
• Einstellbereich der Kayaba-Federelemente
• Spielerisches Handling
• Geringes Gewicht
• Umfangreiche Ausstattung
• Driftverhalten
• Hohe Verarbeitungsqualität
• Optisches Erscheinungsbild

MINUS
• Batterie-Erreichbarkeit
• Bilux-Scheinwerfer
• Mapping-Schalter-Ausführung


WARTUNGSINTERVALLE & E-TEIL-PREISE

SHERCO SEF 300 Factory 2019 - E-Teil-Preise und Wartung

 

WEITERE IMPRESSIONEN

Weitere Infos unter: www.SHERCO.com

Bilder: OFFROADCRACKS.com
Kleidung & Protektion: ANSWER, FLY RACING F2 Carbon Helm , SPY OPTIC Brille, ATLAS Air Brace, FLY Racing Stiefel
Wir bedanken uns für die professionelle Zusammenarbeit bei…
…SHERCO DEUTSCHLAND, ZUPIN Moto-Sports,ANSWER USA und Micronsystems.“